Die 7 Kernfunktionen eines ERP für Blechbearbeiter
1. CAD-integrierte Kalkulation
Das Herzstück jeder Angebotserstellung: Die Software muss in der Lage sein, DXF- und STEP-Dateien zu analysieren und daraus automatisch Schnittlängen, Bohrungen, Biegungen und Bearbeitungszeiten abzuleiten.
Nur so können Angebote in Minuten statt Stunden erstellt werden – mit belastbaren Preisen statt Bauchgefühl. Die Kalkulation sollte dabei auf den echten Maschinendaten des Betriebs basieren: Stundensätze, Vorschubgeschwindigkeiten, Rüstzeiten und Werkzeugkosten der eigenen Maschinen.
2. Maschinendaten-basierte Zeitkalkulation
Jede Maschine hat eigene Leistungsdaten. Eine 6-kW-Faserlaser schneidet 3 mm Stahl mit einer ganz anderen Geschwindigkeit als ein 4-kW-CO₂-Laser. Eine Trumpf TruBend 5130 kantet mit anderen Zeiten als eine Bystronic Xpert 150.
Ein gutes ERP hinterlegt maschinenspezifische Parameter und berechnet die Fertigungszeit pro Arbeitsschritt automatisch anhand der tatsächlichen Geometrie des Bauteils.
3. Mehrstufige Arbeitspläne und Fertigungssteuerung
Vom Rohblech zum fertigen Bauteil gibt es selten nur einen Schritt. Das ERP muss Arbeitspläne mit beliebig vielen Arbeitsgängen unterstützen, inklusive:
- Rüstzeiten pro Arbeitsgang
- Fremdvergabe einzelner Schritte (z. B. Pulverbeschichtung)
- Parallele Bearbeitung (z. B. mehrere Teile gleichzeitig auf dem Laser)
- Prüfschritte (Qualitätskontrolle nach dem Schweißen)
4. Materialwirtschaft und Verschnittoptimierung
Das System muss wissen, welche Blechtafeln auf Lager liegen, welche Reststücke noch verwertbar sind und wann nachbestellt werden muss. Im Idealfall berechnet das ERP den optimalen Zuschnitt auf der Tafel und minimiert so den Materialverschnitt.
5. Echtzeit-Produktionsübersicht
Wo steht welcher Auftrag? Welche Maschine ist frei? Wo gibt es Engpässe? Eine digitale Plantafel (Leitstand) mit Echtzeit-Daten aus der Fertigung ist unverzichtbar, um Liefertermine einzuhalten und Kapazitäten optimal auszulasten.
6. Betriebsdatenerfassung (BDE) und Nachkalkulation
Ohne Rückmeldung aus der Fertigung bleibt jede Vorkalkulation Theorie. Das ERP sollte eine integrierte BDE bieten, die erfasst:
- Tatsächliche Bearbeitungszeiten pro Maschine und Auftrag
- Stillstands- und Rüstzeiten
- Ausschuss und Nacharbeit
Auf dieser Basis ermöglicht die Nachkalkulation einen Soll-Ist-Vergleich, der zeigt, wo die echten Margen liegen – und wo nicht.
7. Kundenportal und digitale Kommunikation
Moderne B2B-Kunden erwarten mehr als Angebote per E-Mail. Ein integriertes Kundenportal, über das Anfragen eingereicht, Angebote freigegeben und Auftragsstatus in Echtzeit verfolgt werden können, reduziert den administrativen Aufwand drastisch und erhöht die Kundenzufriedenheit.