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ISO 2768 einfach erklärt: Allgemeintoleranzen auf der Zeichnung

Was bedeutet ISO 2768-mK im Schriftfeld? Toleranzklassen f, m, c und v mit allen Grenzabmaßen für Längen, Winkel und Radien, und was Lohnfertiger in der Blechbearbeitung beachten sollten.

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Einleitung

Fast jede technische Zeichnung trägt im Schriftfeld eine kurze Angabe: ISO 2768-mK. Sie entscheidet darüber, wie genau alle Maße gefertigt werden müssen, die keine eigene Toleranz haben. Wer diese Angabe beim Angebot übersieht, kalkuliert entweder zu teuer oder liefert Teile, die beim Kunden durchfallen.

Dieser Artikel erklärt, was die Norm regelt, wie die Toleranzklassen aufgebaut sind und welche Werte gelten.

Was regelt die ISO 2768?

Die ISO 2768 legt Allgemeintoleranzen fest. Das sind Toleranzen für alle Maße auf einer Zeichnung, bei denen der Konstrukteur keine eigene Abweichung angegeben hat. Ohne sie müsste jedes einzelne Maß toleriert werden, und die Zeichnung wäre kaum lesbar.

Die Norm besteht aus zwei Teilen:

  • ISO 2768-1 regelt Längen- und Winkelmaße sowie Rundungshalbmesser und Fasen. Die Toleranzklassen heißen f, m, c und v.
  • ISO 2768-2 regelt Form und Lage, also Geradheit, Ebenheit, Rechtwinkligkeit, Symmetrie und Lauf. Die Toleranzklassen heißen H, K und L.

Die Angabe ISO 2768-mK bedeutet also: Längen und Winkel nach Klasse m (mittel), Form und Lage nach Klasse K.

Laut Teil 1 gilt die Norm für Maße, die spanend oder durch Umformen von Blech entstehen. Für thermisch geschnittene Konturen gibt es mit der ISO 9013 eine eigene Norm, für Schweißkonstruktionen die ISO 13920.

Die Toleranzklassen f, m, c und v

Die Buchstaben stehen für vier Genauigkeitsstufen:

  • f (fein): für Präzisionsteile, deutlich teurer in der Fertigung
  • m (mittel): der Standard im Maschinenbau und in der Blechbearbeitung
  • c (grob): für Teile mit geringen Anforderungen
  • v (sehr grob): für einfache Konstruktionen, etwa im Stahlbau

Je feiner die Klasse, desto enger die Grenzabmaße und desto höher Aufwand und Prüfkosten.

Grenzabmaße für Längenmaße

Die folgenden Werte gelten nach ISO 2768-1 für Längenmaße, Angaben in Millimetern.

Nennmaß (mm)f (fein)m (mittel)c (grob)v (sehr grob)
0,5 bis 3±0,05±0,1±0,2–
über 3 bis 6±0,05±0,1±0,3±0,5
über 6 bis 30±0,1±0,2±0,5±1
über 30 bis 120±0,15±0,3±0,8±1,5
über 120 bis 400±0,2±0,5±1,2±2,5
über 400 bis 1000±0,3±0,8±2±4
über 1000 bis 2000±0,5±1,2±3±6
über 2000 bis 4000–±2±4±8

Ein Beispiel: Ein Blechteil ist 250 mm lang, die Zeichnung fordert ISO 2768-m. Die Länge darf dann zwischen 249,5 mm und 250,5 mm liegen.

Grenzabmaße für Rundungen und Fasen

Nennmaß (mm)f und mc und v
0,5 bis 3±0,2±0,4
über 3 bis 6±0,5±1
über 6±1±2

Grenzabmaße für Winkel

Bei Winkeln richtet sich die Toleranz nach der Länge des kürzeren Schenkels.

Kürzerer Schenkel (mm)f und mcv
bis 10±1°±1°30'±3°
über 10 bis 50±0°30'±1°±2°
über 50 bis 120±0°20'±0°30'±1°
über 120 bis 400±0°10'±0°15'±0°30'
über 400±0°5'±0°10'±0°20'

Für Kantteile ist diese Tabelle besonders wichtig. Ein Biegewinkel an einem 30 mm langen Schenkel darf bei Klasse m um ±0°30' abweichen.

Allgemeintoleranz oder Passung?

Allgemeintoleranzen sind bewusst großzügig. Für Funktionsmaße reichen sie nicht: Eine Bohrung für einen Lagersitz oder einen Passstift bekommt eine eigene Toleranzklasse nach ISO 286, zum Beispiel H7. Diese Angabe steht direkt am Maß und hat Vorrang vor der Allgemeintoleranz.

Die Grenzabmaße für H7, g6 und alle anderen gängigen Klassen finden Sie in unserer Passungstabelle nach ISO 286.

Was gilt, wenn ein Maß die Allgemeintoleranz überschreitet?

Hier enthält die ISO 2768-1 eine Regel, die viele nicht kennen: Ein Werkstück, das eine Allgemeintoleranz überschreitet, soll nicht automatisch zurückgewiesen werden, solange seine Funktion nicht beeinträchtigt ist. Allgemeintoleranzen sind als Werkstattgenauigkeit gedacht, nicht als Prüfkriterium für jedes Maß.

In der Praxis ist es trotzdem sinnvoll, das mit dem Kunden zu klären, bevor es zu einer Reklamation kommt.

Was Lohnfertiger daraus mitnehmen sollten

  • Schriftfeld vor der Kalkulation lesen. Ein „f“ statt „m“ verdoppelt die zulässige Genauigkeit und kann zusätzliche Arbeitsgänge oder Messaufwand bedeuten.
  • Einzeltolerierte Maße markieren. Jede Passung wie H7 ist ein eigener Arbeitsgang, etwa Bohren und Reiben, und gehört in den Preis.
  • Die richtige Norm für das Verfahren kennen. Für Laserkonturen ist die ISO 9013 aussagekräftiger. Mehr dazu im Artikel Toleranzen beim Laserschneiden.

nurb44 liest Bohrungen und Geometrien direkt aus der STEP-Datei und berücksichtigt Zusatzschritte automatisch im Preis. Testen Sie es mit Ihrer eigenen Zeichnung in der Sofort-Kalkulation.

Hinweis: Die Werte sind nach bestem Wissen aus der ISO 2768-1 übernommen. Maßgeblich ist die jeweils gültige Fassung der Norm.

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