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Anzugsmoment von Schrauben: Reibwert, Schmierung, Aluminium

Warum dasselbe Anzugsmoment je nach Schmierung ganz unterschiedliche Vorspannkräfte erzeugt, wie Tabellenwerte entstehen und worauf Sie bei Schrauben in Aluminium achten müssen.

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Einleitung

Eine Schraube hält nicht wegen des Drehmoments, sondern wegen der Vorspannkraft. Das Anzugsmoment ist nur der Weg dorthin, und dieser Weg hängt stark von der Reibung ab. Wer das weiß, versteht auch, warum zwei Tabellen für dieselbe Schraube unterschiedliche Werte nennen.

Was ist das Anzugsmoment?

Das Anzugsmoment ist das Drehmoment in Newtonmeter, mit dem eine Schraube angezogen wird. Es spannt die verschraubten Teile zusammen. Die Klemmkraft, die dabei entsteht, heißt Vorspannkraft. Sie verhindert, dass sich die Teile verschieben oder die Verbindung unter Last aufklafft.

Nur ein kleiner Teil des Moments landet tatsächlich in der Vorspannkraft. Bei einer üblichen Verschraubung gehen rund 85 bis 90 Prozent in die Reibung im Gewinde und unter dem Schraubenkopf.

Warum die Reibung über alles entscheidet

Weil die Reibung den Großteil des Moments schluckt, verändert schon ein anderer Schmierzustand die Vorspannkraft erheblich. Das zeigt ein Beispiel mit einer Sechskantschraube M8 der Festigkeitsklasse 8.8, gerechnet nach VDI 2230:

Reibungszahl µTypischer ZustandVorspannkraft bei 25 Nm
0,08stark geschmiert, MoS₂-Pasteca. 25,7 kN
0,12leicht geölt, Lieferzustandca. 18,4 kN
0,14trocken, verzinktca. 16,1 kN
0,20trocken, rau oder verschmutztca. 11,7 kN

Die zulässige Montagevorspannkraft dieser Schraube liegt bei rund 19 bis 20 kN. Mit Paste geschmiert und mit dem Tabellenwert von 25 Nm angezogen, wird die Schraube also überlastet. Trocken und rau angezogen, fehlt dagegen fast die Hälfte der Klemmkraft.

Die Regel daraus: Ein Tabellenwert gilt nur für die Reibungszahl, für die er gerechnet wurde. Die meisten Tabellen nehmen µ = 0,12 an.

Wie entstehen die Werte in der Tabelle?

Die üblichen Tabellen folgen der Richtlinie VDI 2230. Sie rechnen so, dass die Schraube beim Anziehen zu 90 Prozent ihrer Streckgrenze ausgenutzt wird. Dabei zählt die Vergleichsspannung aus Zug und Torsion, denn beim Anziehen wird die Schraube auch verdreht.

Für µ = 0,12 ergeben sich unter anderem diese Werte:

Gewinde8.810.9
M610,5 Nm15,4 Nm
M825 Nm37 Nm
M1050 Nm73 Nm
M1285 Nm125 Nm
M16210 Nm308 Nm

Alle Größen von M3 bis M24, die Klassen 8.8, 10.9 und 12.9 und die zugehörigen Vorspannkräfte stehen in unserer Anzugsmoment-Tabelle.

Schrauben in Aluminium

Eine Schraube 8.8 in einem Aluminiumgewinde ist ein Sonderfall. Die Schraube ist deutlich fester als das Gewinde, in das sie greift. Versagen wird also nicht die Schraube, sondern das Muttergewinde: Es reißt aus.

Darauf kommt es an:

  • Einschraubtiefe: In Aluminium braucht ein Gewinde deutlich mehr Länge als in Stahl. Als grober Richtwert gilt etwa das Doppelte des Nenndurchmessers, also rund 16 mm für ein M8. Der genaue Wert hängt von der Legierung ab.
  • Moment reduzieren: Reicht die Einschraubtiefe nicht, muss das Anzugsmoment unter den Tabellenwert für Stahl. Der Konstrukteur legt den Wert dann fest.
  • Gewindeeinsätze: Drahtgewindeeinsätze oder Gewindebuchsen verteilen die Kraft auf eine größere Fläche. Bei häufig gelösten Verbindungen sind sie fast Pflicht.
  • Flächenpressung: Unter dem Schraubenkopf kann das weiche Aluminium nachgeben. Eine Scheibe oder ein Flanschkopf vergrößert die Auflage.

Das richtige Kernloch für jede Gewindegröße finden Sie in der Kernloch-Tabelle. Mit welcher Drehzahl man es bohrt, steht im Artikel Drehzahl beim Bohren berechnen.

Festigkeitsklassen 8.8, 10.9 und 12.9

Die Zahl auf dem Schraubenkopf beschreibt die Festigkeit. Bei 8.8 steht die erste Zahl für die Zugfestigkeit, also 8 × 100 = 800 N/mm². Die zweite Zahl gibt das Verhältnis der Streckgrenze zur Zugfestigkeit an: 0,8 × 800 = 640 N/mm².

Eine 10.9 hält bei gleichem Gewinde rund 45 Prozent mehr Vorspannkraft aus als eine 8.8 und braucht entsprechend mehr Moment. Wer eine 8.8 durch eine 10.9 ersetzt, muss auch das Anzugsmoment anpassen, sonst wird der Vorteil verschenkt.

Praxistipps für die Montage

  • Schmierzustand festlegen: Auf der Zeichnung oder in der Montageanweisung steht am besten, ob geölt, trocken oder mit Paste montiert wird.
  • Drehmomentschlüssel prüfen: Auch ein guter Schlüssel streut. Regelmäßige Kalibrierung gehört zum Prüfmittelmanagement.
  • Nicht nachziehen: Wer eine bereits angezogene Schraube nochmals zieht, misst das Losbrechmoment und nicht das Anzugsmoment.
  • Schrauben nicht beliebig wiederverwenden: Hoch ausgenutzte Schrauben können sich beim ersten Anziehen plastisch gelängt haben.

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